Die Sportart Orientierungslauf

Der Orientierungslauf (OL) ist eine Sportart, die körperliche und geistige Fähigkeiten erfordert. Der OL als Wettkampfsport entstand Mitte des 20. Jahrhunderts in Skandinavien und wurde insbesondere als Ausgleichssport für die Skilangläufer im Sommer ausgeübt. Speziell in der DDR entwickelte sich der OL erst um 1960 aus dem Touristischen Mehrkampf.

Der Touristische Mehrkampf war eine Mannschafts-Sportart, die (wie der Name schon sagt) touristische und naturkundliche Fähigkeiten adressierte. Eine durch „Kontrollposten“ vorgegebene Strecke musste in möglichst schneller Zeit absolviert werden, wobei diverse Aufgaben zu absolvieren waren, wie z.B. Gesteins- und Pflanzenbestimmung, Hangeln über Gräben, Entfernungs-Schätzen, Himmelsrichtung ohne Kompass bestimmen etc. Die Kontrollposten wurden im einfachsten Fall auf einer Karte vorgegeben, manchmal auch durch die Koordinaten oder durch Angabe von Entfernung und Richtung. Die Kontrollposten waren natürlich vorher nicht bekannt, in einigen Fällen bekam man diese erst am vorhergehenden Posten. Wer nicht den Nachweis erbrachte, alle Posten besucht zu haben, erhielt gehörige Strafminuten. Es konnte passieren, dass die Strecke erst nach vielen Stunden, z.T. auch über Nacht, absolviert wurde. Einziges Hilfsmittel war der Kompass; wobei sogar Schiffskompasse wegen der höheren Genauigkeit verwendet wurden. Mir ist auch ein missglückter Versuch bekannt (was nicht verboten war, war erlaubt), ein Fahrrad-Rad an einer Deichsel zu montieren und die zurückgelegte Entfernung mittels eines Kilometer-Zählers zu ermitteln. Hilfsmittel zur Fortbewegung waren natürlich grundsätzlich verboten.

Die ersten Abweichungen von diesem Reglement gab es Ende der 1950er Jahre in Form des Ski-OLs. Alle touristischen Aufgaben entfielen (abgesehen von einem „Pflichtgepäck“ mit einem vorgegebenen Mindestgewicht, wo mindestens Verbandszeug und Trillerpfeife drin sein mussten; der Rest wurde mit diversen Gewichten aufgefüllt). Es wurde in 2er Mannschaften gelaufen. Gewertet wurde die Laufzeit. Wurden nicht alle Kontrollposten nachgewiesen, erfolgte Disqualifikation. Es kam nun außer auf gute Kondition auch darauf an, alle Kontrollposten schnell zu finden sowie den günstigsten Weg dahin.

Mitte der 60er Jahre entfiel generell diese Form Mannschaftslauf sowie die Mitnahme von Gepäck. Orientierungsläufe wurden in den Disziplinen „klassischer“ OL, Ski-OL, Staffel-OL (4 Starter) und Nacht-OL durchgeführt. In dieser Zeit wurde die DDR auch in die Internationale Orientierungslauf-Föderation (IOF) aufgenommen und beteiligte sich an internationalen Wettkämpfen und Meisterschaften. Während ursprünglich der OL im (Ost-) Deutschen Wander- und Bergsteiger-Verband (DWBV) organisiert waren, wurde dieser dann erweitert in den Deutschen Verband für Wandern, Bergsteigen und Orientierungslauf (DWBO). Jetzt ist der OL dem Deutschen Turnerbund angeschlossen. Aktuelle Informationen findet man unter http://www.orientierungslauf.de .

Schwerpunktmäßig wurde der OL in Sachsen betrieben (insbesondere in Dresden). Eine der größten und erfolgreichsten Sektionen (die einzige „reine“ OL-Sektion der DDR) war die Sektion OL der Hochschulsportgemeinschaft (HSG) TH / TU Dresden, der auch ich seit 1963 angehöre. Spezielle Informationen dazu gibt es auf der Homepage des heutigen Universitäts-Sportvereines (USV) sowie im nachfolgenden Beitrag.


www.edv-haufe.de letzte Änderung: 08.01.2016