Erfahrungen mit Hyper-V

Mit Windows Server ab 2008 wird bei der Standard-Version und höher Hyper-V mitgeliefert, dazu eine zweite Windows-Server-Lizenz. Ich nutze das grundsätzlich, um den e-Mail-Server vom Haupt-Server zu entkoppeln, desgleichen Terminal-Server.

In unserer Firma entspann sich ein „Glaubenskrieg“: Meine Kollegen bevorzugen die Core-Installation des Servers und darauf die zwei Lizenzen Windows Server, ich nutze den Virtualisierungs-Host generell auch für andere Zwecke. Die Core-Installation hat folgende Vor- bzw. Nachteile:

+ Der Wirt kann nicht so einfach „abgeschossen“ werden.
+ Alle Gäste sind gleichberechtigt und fahren parallel hoch.
- Die Administration muss (zumindest bei 2008) über die Powershell (nicht GUI) erfolgen
- Nur minimale Hardware-Unterstützung: USV nur eingeschränkt, keine Band-Laufwerke, lokale (USB-Drucker), ISDN-Karten etc.

Ich bevorzuge folgende Konfiguration:

auf dem Wirt AD, DNS, DHCP
auf einem Gast e-Mail-Server (Schutz vor DoS-Angriffe sowie Plattenüberlauf durch unkontrollierte Massen-Mails)
auf einem weiteren Gast Terminal-Server (Schutz vor unangemessenen Applikationen)
ggf. (wenn nicht gleich auf dem Wirt):

File-Server (kann mühelos geupgradet oder erweitert werden)
Print-Server (kann bei Störungen ohne Beeinflussung des Restes „repariert“ werden)
Web-Server
Viren-Scanner
Backup-Server
WSUS-Server

Der Terminal-Server kann auch mit Windows 7 betrieben werden (mit der Einschränkung von maximal 10 – praktisch 5 – bleichzeitigen Verbindungen), wenn als Terminal-Erweiterung die Software ThinStuff verwendet wird.

Für den Wirt sowie die Betriebssysteme wähle ich möglichst SAS-Platten 2,5“ / 10.000 Umdrehungen/Minute. Die Datenpartitionen insbesondere des File-Servers sowie des e-Mail-Servers (bei Exchange 2013 nicht trivial, bei Tobit-David sehr zu empfehlen) können auch auf preiswerteren Laufwerken, z.B. S-ATA, externen SAS- oder iSCSI-Systemen liegen.

Im Falle Windows 2012 R2 ist zu beachten, dass die neue Hyper-V-Technologie keine CD-/DVD-Laufwerke mehr unterstützt. Von HP gelieferte Betriebssysteme (ROK) lassen sich aber nicht als Image ablegen, weil sie nicht auf eine DVD passen (ca. 5 GB). Hier muss die ältere kompatible Technologie beim Erstellen der VM ausgewählt werden.

LAN-Konfiguration

Die empfohlene LAN-Konfiguration besteht aus einem Interface für den Wirt, einem virtuellen Switch, der mit diesem verbunden ist und gleichzeitig die Verbindung zu den Gastsystemen herstellt. Viele Server verfügen jedoch über mehrere LAN-Schnittstellen. Da bietet es sich an, für die Gäste dedizierte Schnittstellen zu verwenden. Bereits bei der Erstellung eines solchen Gastes erscheint eine Warnung. Am Ende wundert man sich, dass der Wirt mehrere IP-Adressen hat, nämlich zu jedem Interface einen virtuellen Switch mit einer eigenen IP-Adresse. Das stört natürlich: Der Wirt meldet dann häufig Systemfehler NetBT 4319 (doppelter Name). Über die Netzwerk-Konfiguration lässt sich dieser Missstand nicht beheben!

Hier ist Nacharbeit angesagt. Im Hyper-V-Manager ist für jeden Gast der virtuelle Switch umzukonfigurieren: Für den (richtigen!) LAN-Adapter muss das Häkchen bei „Gemeinsames Verwenden ...“ entfernt werden. Dann verschwinden auch die überflüssigen virtuellen Switches mit den „schädlichen“ IP-Adressen aus dem Wirt.



Www.edv-haufe.de letzte Änderung: 06.05.2015