Urlaub 2005 in Grindelwald

WigwamZum zweiten Male urlaubten wir in Grindelwald (Berner Oberland, zu Füßen der Eiger-Nordwand, im Jungfrau-Gebiet, ca. 1000 m hoch).

Am 18.6.2005 starteten wir über Nürnberg, Heilbronn, Stuttgart, Singen, Schaffhausen, Zürich, Luzern, Brünigpaß, Interlaken nach Grindelwald – Ankunft 17.40 Uhr nach 875 km bzw. 8 Std. 35 Min. Fahrzeit mit einer durchschnittlichen Geschwindigkeit von 103 km/h bei strahlender Sonne. Unsere Quartierleute, Hilde und Willy Merz, begrüßten uns herz­lich in ihrem Chalet „Wigwam“ in der Nähe der Talstation der Pfingsteggbahn. Wir über­nachteten in einer sehr preiswerten (55,- SFR pro Tag) Ferienwohnung (Souterrain), die sonst auch für Arbeitszwecke genutzt wird. Margits Vater Kurt, der bereits über Nacht mit der Eisenbahn anreiste, bewohnte Hildes Hobbyzimmer. Wir blickten direkt auf den unte­ren Grindelwald-Gletscher („Eismeer“) und auf die Eiger-Nordwand.

Pfingstegg19.6. 5.00 Uhr leuchten die ersten Bergkuppen (Fiescherhörner, Eiger) goldgelb, gegen 8.00 Uhr erreicht die Sonne Merzens Garten. Margit und Kurt fahren mit der Bahn zum Pfingstegg (1391 m), ich laufe hoch durch herrliche Wiesen (leider noch im Schatten – die Sonne kommt erst nach 10 Uhr „um die Ecke“) und komme nur Sekunden später an. Wir wandern gemeinsam (im Schatten) über die Milchbachhütte (1348 m), Hotel Wetterhorn (1229 m) zurück zum Quartier. Die Sonne hat nun vom Ort Besitz ergriffen, die Tempara­turen stiegen über 30° C im Schatten. Der Schweiß trieft aus allen Poren, wir genehmigen uns ein Mittagsschläfchen. Ich verdrücke mich über Mättenberg ins Zentrum (Grund), kle­be dabei fast am Asphalt an. Es finden gerade die Schweizer Meisterschaften im Gleit­schirmfliegen statt, um die First herum wimmelt es von bunten Flecken, ich beobachte die Flieger am Landeplatz in Grund.

20.6. Über Nacht kühlte es sich wieder ab (auf 14° C gegen 8.00 Uhr). Gegen 9.30 Uhr (für Bergtouren schon zu spät!) starteten wir zum unteren Grindelwald-Gletscher und wan­derten (rechts ab vom Hotel Gletscherschlucht) zunächst parallel zur tief eingeschnittenen Gletscherschlucht (der Wanderweg auf der jeweils anderen Seite sieht ziemlich „gruselig“ aus, aber man spürt es gar nicht so beim Wandern) über leicht begrüntes felsiges Gelän­de (unter gelegentlicher Zuhilfenahme von Halteseilen und einer Leiter), dann über einen schattigen Waldweg in Richtung Boneren (Bonera – Schutzhütte). Von dort geht es weiter an der Ostflanke des Eigers bis zur Eiger-Nordwand. Aus Zeitgründen bogen wir nach Alpiglen (1615 m) ab und kehrten bei glühender Hitze nach Grindelwald zurück, wo wir am Nachmittag ankamen. Kurt genehmigte sich seinen wohlverdienten Ruhetag.

21.6. Nach dem Verspeisen der 7 Uhr beim Bäcker geholten Semmeln fuhren wir mit dem Auto (um längere Umsteigzeiten zu vermeiden) nach Wilderswill. Wir kauften für je 190,- Schweizerische Franken (ca. 130,- €) eine 6-Tages-Jungfraukarte (Berner-Oberland-Bahn von Interlaken, Wengenalp-Bahn, Mürren, Männlichen-Bahn, First-Bahn, Pfingstegg-Bahn und örtliche Busse etc.) und stiegen in die nostalgische Zahnrad-Bahn zur Schynige Platte (2067 m). Wir besuchten den Alpengarten und spazierten ohne Kurt den Panoramaweg (mit herrlichen Ausblicken zu Brienzer und Thuner See und zu den Viertausendern Jung­frau, Mönch, Fiecherhörner, Schreckhorn, Finsteraarhorn). Die vielfältige, in bester Blüte stehende Pflanzenwelt (verschiedene Anemonen, diverse Enziane, weiße Hahnenfüße, Maiglöckchen) beeindruckte sogar mich botanischen Laien. Nach der gemeinsamen Rückfahrt fuhr ich noch mal mit Margit zum Pfingstegg. Am Abend grollte in der Ferne ein Gewitter, es tröpfelten einige wenige (viel zu wenig!) Regentropfen, der Wind blies kräftig, und letztendlich grüßten uns wieder goldgelb die Bergspitzen.

22.6. Ab Bahnhof Grindelwald ging es 8.32 Uhr gemeinsam mit Hilde und Kurt über die Kleine Scheidegg (2061 m) nach Wengen, wir fuhren weiter nach Lauterbrunn (ca. 800 m); von der Bahn aus hatten wir gegen 9.30 Uhr eine interessante Fotosicht auf Lauter­brunn mit dem Staubbachfall – leider war es etwas zu diesig. Mit der Standseilbahn fuhren wir nach 15 Minuten Wartezeit wegen Überfüllung 10.30 Uhr zur Grütschalp (1486 m) und wanderten durch den Marcheggwald über den Sausläger zur Lobhornhütte (1955 m). Vom Weg hatten wir herrliche Fernsichten auf die Schynige Platte und die umgebenden Berge, auf den Männlichen, den Tschuggen und das Lauberhorn, zu den Lobhörnern, nach Grindelwald, zum Schilthorn, auf Wengen und natürlich auf die Viertausender. Um die Lobhornhütte blühten viele Enziane, der Boden war feingliedrig mit ausgewaschenen Rinnen und auch tieferen Klüften. Wir stiegen nach Sulwald (1500 m) hinunter, wo wir an der oberen Seilbahnstation mit Akkordeon-Klängen empfangen wurden. Per Seilbahn (zwecks Ersparung von 300 Höhenmetern) fuhren wir nach Isenfluh (1200 m) und trotteten den Fahrweg (interessanter Blick auf die Gesteinsfaltung am Gegenhang!) nach Lauterbrunn. Wir erreichten 16.45 die vorletzte Bahn über die Kleine Scheidegg. In Grindelwald begrüßten uns einige wenige Regentropfen bei strahlendem Sonnenschein, nur die Eiger-Nordwand war (wie üblich) von düsteren Wolken verdeckt. Ansonsten war auch dieser Tag glühend heiß mit über 30° C im Schatten.

Kurt wanderte nach einem Besuch in Wengen mit Hilde von Mürren durch das Blumental.

Erstmals in der Geschichte der Schweiz gab es bei der Bahn (SBB) einen Total-Ausfall der Stromversorgung – die Reisenden mussten stundenlang warten. Das betraf zum Glück nicht die Jungfrau-Bahnen – die haben eine eigene Stromversorgung.

23.6. 8.32 Uhr Zugfahrt nach Grund (paar Hundert Meter), anschließend mit der Gondel­bahn zum Männlichen (2222 m). Bei mittlerer Bewölkung wanderten wir den Panorama­weg zur kleinen Scheidegg, setzten Kurt in die Bahn nach Grindelwald und wanderten al­lein weiter über die Bahnstation Eigergletscher (2320 m) den „Eiger-Trail“ an der Eiger-Nordwand entlang zur Bahnstation Alpiglen (1615 m), wo wir je einen „Suure most“ tran­ken. Nach Rückfahrt mit der Bahn kamen wir im Quartier gegen 16.00 Uhr an. 17.30 fuh­ren wir mit Ehepaar Merz nach Interlaken zu den Tellfestspielen (Willy hatte 1939 mit 3 Jahren einen Telljungen gespielt und war als „Ehrengast“ eingeladen, Kurt spendierte uns die Karten – wir wären sonst kaum auf diesen guten Gedanken gekommen!). Unterwegs kam uns ein gewaltiges Gewitter entgegen, welches in Grindelwald sogar eine Menge Ha­gel abgeladen und Blumen geköpft hat. 30 Minuten vor der Aufführung hörte der Spuk auf, und die Sonne kam wieder heraus. Es war eine „ergreifende“ Aufführung, volkstüm­lich, von Laien liebevoll gespielt, von einer professionellen Künstlerin treffend inszeniert. Eigens für die Tellfestspiele wurde Anfang des 20. Jahrhunderts ein Festspielhaus gebaut und ein Freilichttheater angelegt. Auch Pferde, Kühe, Esel spielten mit.

24.6. Sonnenaufgang, als wäre nichts gewesen. 8.32 fuhren wir (ohne Kurt) mit der Bahn wieder nach Lauterbrunn, zur Grütschalp, weiter nach Mürren. Bei strahlender Sonne wanderten wir (mit wunderschönen Ausblicken) durch das Blumental zum Sonnenberg, weiter zur Schiltalp (wo wir uns ausgiebig mit frischer Milch vollgefüllt haben) und zurück nach Mürren; Rückfahrt über Grütschalp, Lauterbrunn, Zweilütschinen nach Grindelwald (Ankunft gegen 17 Uhr – immer noch ca. 30° C im Schatten). Im Hintergrund sieht es wie­der gewittrig aus, ohne uns zu erreichen; in Interlaken muss es ganz schön gewütet ha­ben.

25.6. 8.05 Uhr fuhren wir mit dem Bus von der Kirche aus zur großen Scheidegg (1961 m) und wanderten zur First (2168 m). Dort schlurften wir Cappuccinos und Tee und warteten, wie sich das Wetter entwickelt. Ringsum sammelten sich die Wolken, in der Ferne grum­melte es auch ein wenig. 12.30 neigte sich die Waagschale zu Gunsten eines anziehen­den Regenwetters, sodass wir uns entschlossen, mit der Seilbahn wieder hinunter zu fah­ren. Es wurde auch ziemlich kühl – der einzige Tag mit weniger als 30° C! Ich verspürte je­doch wenig Lust, den Tag einfach abzubrechen, und wanderte bei zunehmendem Regen (zum Glück hatten wir die Regensachen eingepackt) zum Bachalpsee (2263 m). Da das Wetter zum Fotografieren zu miserabel war, wanderte ich in der Hoffnung, aus den Wol­ken herauszukommen, weiter, bis ich letztendlich auf dem Faulhorn (2681 m) stand. Dort pfiff ganz ekelig der Wind, und das Thermometer zeigte gerade mal 5° C. Wie zum Hohn lag Thun in der Sonne, die Schynige Platte lag klar vor mir, der Brienzer See strahlte türkisfarben. Über Bachalpsee (bis dorthin Beschleunigung durch Nutzung der Schnee­felder teils ärschlings), Bachläger, Waldspitz (1904 m) erreichte ich den traumhaften Blumen­pfad, über den ich zur Seilbahnstation Bort (1570 m) gelangte. Mit der Firstbahn fuhr ich wieder runter und kam gegen 16.30 Uhr im Quartier an. Anschließend spazierten wir noch mal durch Grindelwald, wobei uns gleichzeitig Regen und Sonne begleiteten.

26.6. Mit der Bahn fuhren wir 9 Uhr nach Grund und mit der Männlichen-Bahn bis zur Zwi­schenstation Holenstein (knapp 1600 m). Gemütlich spazierten wir den Öpfelchuechliwäg durch erfrischende Wälder und über blühende Wiesen nach Brandegg (1322 m). Uns be­gegneten schweißtriefende Rad-Sportler, die im Wettkampf den Männlichen bezwingen wollten. Zur linken Seite blickten wir auf Faulhorn, Bussalp, Wetterhorn und Grindelwald, rechts zum Tschuggen und auf die Eiger-Nordwand. Am Brandegg löffelten wir „pflichtge­mäß“ Öpfelchuechli (mit Apfelscheiben gefüllte Pfannkuchen) mit Vanillesauce. Rückfahrt wieder mit der Bahn. Kurt schickten wir zum Mittagsschläfchen ins Quartier, während wir nochmal mit der First-Bahn zur Station Bort fuhren und uns ein Stückchen Blumenpfad – diesmal bei strahlender Sonne – zu Gemüte führten. Gegen 14.30 Uhr kamen wir im Quartier an. 16.30 nutzten wir noch mal unser Ticket (letztmalig) zum Pfingstegg und zu­rück – zwischendurch spazierten wir (ohne Kurt) in Richtung Bäregg. Eine Ziege folgte uns und war einfach nicht abzuschütteln. Der Blick auf den Weg, den wir einige Tage zuvor nach Bonera wanderten, sah von der anderen Seite der Gletscherschlucht ziemlich verwe­gen aus! - Am Abend spazierten wir mit Hilde durch den Erlenwald und begutachteten die „Kunstwerke“ eines Wettbewerbes.

27.6. Über die Fernverkehrsstrasse 6 fuhren wir (über Interlaken, Nordufer des Thuner Sees) in die Hauptstadt Bern. Wir bummelten vom Rathaus-Parkhaus durch die Altstadt (Kramgasse, Nydegg-Viertel, Bärengraben, Nydebb-Brücke, Junkern-Gasse, Münster, Zytglogge-Turm und am Einstein-Hause vorbei wieder zurück). Zurück fuhren wir das Südufer des Thuner Sees entlang und besuchten Spiez (Burg und Hafen). Das Thermo­meter erreichte Rekordwerte von 34 ° C. Am kühleren Abend spazierten wir ein Stückchen von Stecklenberg ins hintere Lauterbrunn-Tal. Türkenbundlilien blühten, aber es war be­reits zu dunkel zum Fotografieren. Uns überraschte ein kräftiger Regen mit etwas Blitz und Donner, und wir flüchteten mit dem Auto wieder ins Quartier. In Grindelwald blieb es wie meistens trocken, wir sitzen draußen und beobachten bei einem Glas Bier die Wol­ken.

28.6. 9.33 Uhr starteten wir (ohne Kurt, der einen Ruhetag einlegte) mit der brienz-rothorn-bahn per Dampf (Neubauloks aus den 1990iger Jahren) bei strahlender Sonne und Temperaturen bis 34° C aufs Brienzer Rothorn (2350 m) und zurück, bummelten am Strand herum und besichtigten anschließend das Freilichtmuseum Ballenberg (NO von Brienz). In Ballenberg wurden aus verschiedenen Gegenden der Schweiz typische Ge­bäude originalgetreu wieder aufgebaut. Gegen 16.30 trafen wir wieder im Quartier ein. Es nieselte leicht zur Erfrischung.

29.6. Gegen 9 Uhr Heimfahrt. Aber zunächst statteten wir noch dem am Brienzer See un­weit Interlaken gelegenen Ort Bönigen mit seinen vielen originalen Blockhäusern einen Besuch ab. Von dort wollten wir die Uferstrasse über Iseltwald fahren, aber Baufahrzeuge blockierten die Weiterfahrt, sodass wir doch wieder zurück über die Autostrasse über Brünig-Paß, Luzern, Zürich nach Schaffhausen bei trübem Wetter gefahren sind. Gerade als wir den Rheinfall besichtigten, kam die Sonne wieder heraus. Die Rückfahrt gestaltete sich unspektakulär, und wir erreichten gegen 21 Uhr Dresden.

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letzte Änderung: 18.08.05