Urlaub in Tallinn

Vom 17. bis zum 22.8.2006 verbrachten wir einige Tage in Tallinn (Reval), der estnischen Hauptstadt. Margits Sohn Frank schenkte uns den Flug zu Weihnachten, und wir buchten ein einfaches Hotel dazu. Ergänzend zu den mittlerweile überall erhältlichen Informationen möchten wir einige eigene Erfahrungen beitragen. Vorab die Bemerkung: Tallinn ist eine Reise wert, wir wurden aufs Angenehmste überrascht!

Wir flogen ab Berlin-Schönefeld mit easy-Jet. Alles klappte exakt und unkompliziert, aber der Service befand sich an der unteren Grenze – für Jugendliche empfehlenswert, aber für Anspruchsvollere fragwürdig. Da es nach Schönefeld keine Zugverbindung mehr gibt, benutzten wir das Auto. Der Flughafenparkplatz ist unbezahlbar, wir nutzten (mit Voranmeldung) einen Privatparkplatz in der Nähe mit Shuttle-Transport zum / vom Flughafen, was problemlos klappte.

Wir hatten ein spartanisches Doppelzimmer im Hotel G9 im Stadtzentrum für 45,- Euro pro Nacht bestellt. Um die Verpflegung kümmerten wir uns selbst.

Die hierzulande verfügbaren Touristeninformationen sind sehr bescheiden. Man sollte sich außer einem Reiseführer Informationen über das Internet (hauptsächlich in englisch) besorgen (und auch ausdrucken) sowie vor Ort eventuell ein überall angepriesenes Heftchen (auch in deutsch) und in der Touristeninformation (dieses befindet sich in der Altstadt nahe der Niguliste-Kirche) einen kostenlosen Stadtplan.

Die Landessprache ist (natürlich) estnisch, ältere Menschen sprechen perfekt russisch (war bis 1991 Amtssprache), jüngere fließend englisch (sozusagen wie zweite Amtssprache).

Als Währung gilt die estnische Krone (ca. 1/15 Euro), weitestgehend wird der Euro akzeptiert. Bankautomaten der Hansepank akzeptieren alle gängigen Bankkarten; ggf. führt eine Kreditkarte weiter.

Zur Erkundung der Stadt empfiehlt sich die Tallinn-Card (am besten 72 Std.) mit freier Fahrt auf den öffentlichen Verkehrsmitteln, freiem Eintritt in die Museen und auf einige Türme und freier Benutzung des City-Busses (es gibt drei Rund-Linien, die die wichtigsten Sehenswürdigkeiten verbinden). Zu beachten ist, dass die Museen montags (teilweise auch dienstags) geschlossen sind.

In Tallinn kamen wir bei Regen an – am Abreisetag regnete es ebenfalls, ansonsten wurden wir mit Sonnenschein verwöhnt! Per Taxi gelangten wir zu unserem Hotel (10 Euro) in der Gonsiori-Str. 9, unweit der historischen Altstadt, in die man von dort über die Viru-Str. gelangt. Die Sonne kam heraus, und wir machten uns in die Spur. Die Altstadt erreichten wir in wenigen Minuten. In der Touristeninformation besorgten wir uns Stadtpläne. Wir pilgerten zum Domberg (oberer Teil der Altstadt) und besichtigten u.a. die Alexander Newski-Kathedrale (1900 gebaut) und die Domkirche aus dem 13. Jahrhundert (u.a. alte deutsche Wappen). Man sollte keine noch so kleine Gasse auslassen! Danach begaben wir uns in die untere Altstadt über den Rathausplatz und abendbroteten in einer kleinen Straßenkneipe in der Olevimägi-Str.

Am nächsten Tag (Freitag) besichtigten wir das Estnische Freilichtmuseum Rocca al Mare im Westen der Stadt. Hier sind originalgetreu Höfe und Häuser aus allen Teilen Estlands aufgebaut. Am Nachmittag trafen wir uns mit Bekannten von Margits Vater, die er aus seiner Moskauer Zeit als Kollegen der Wasserwirtschaft kannte. Auch Professoren leben in Estland bescheidener als die Menschen in Deutschland. Danach unternahmen wir noch einen Stadtbummel und bestiegen auch den Turm der St.-Olai-Kirche, von dem man eine wunderbare Aussicht auf den Domberg, die Altstadt, den Hafen und auch die neueren Stadtteile genießen kann. Dieser Turm ist der höchste der Stadt mit 124 m (um 1500 mit 159 m einer der höchsten Türme überhaupt).

Am Sonnabend fuhren wir mit dem Bus zum Fernsehturm (leider war die Sicht nicht besonders) und wanderten durch den Wald und am Pirita-Fluß entlang nach Pirita. Das Brigitten-Kloster war leider nicht zu besichtigen, weil für das am Abend stattfindende Konzert (leider bereits ausverkauft) geprobt wurde. Dort trafen wir uns auch mit Prof. Heino Mölder, mit dem wir mit dem Bus in nördliche Richtung in seine Datsche eingeladen waren. Zum Mittagessen begaben wir uns in Richtung Strand (allerdings war das Wasser nicht besonders einladend) in eine schöne Gaststätte in der Form eines auf den Kopf gestellten Bootes.

Am Sonntag war Nationalfeiertag anläßlich des 15. Jahrestages der Selbständigkeit Estlands. Wir trafen uns mit Laas und fuhren mit der Straßenbahn nach Kadriorg (Barockschloß, gebaut ab 1718 von Zar Peter I. für seine Frau Katharina I.). Wir pilgerten durch den Park und lauschten den Ansprachen des Präsidenten und der dargebotenen Musik. Leider hatte das KUMU (Kunstmuseum) am Feiertag ebenso geschlossen wie montags. Zum Mittagessen hatten uns Laas und seine Frau zu Hause eingeladen in ihre bescheidene „Neubauwohnung“ im Stadtteil Mustamäe im Westen der Stadt.

Am Montag fuhren wir mit der AutoExpress-Fähre nach Helsinki, begaben uns zum Marktplatz und besichtigten die Kathedrale und die orthodoxe Kirche. Von dort fuhren wir mit dem Wasserbus nach Suomenlinna, einer alten aus mehreren Inseln bestehende Festung aus dem 18. Jahrhundert (schwedisch und russisch, jetzt finnisch), die unter Denkmalsschutz (UNESCO Weltkulturerbe) steht. Die Gewaltigkeit der militärischen Anlagen läßt einen erschauern. Am Abend fuhren wir mit der Galaxy, einem neuen und komfortablen Schiff, zurück nach Tallinn.

Nach einem letzten Stadtbummel (leider verpaßten wir die St.-Nikolai-Kirche, die auch dienstags geschlossen ist) bei nun schon trübem Wetter flogen wir am Dienstag bei strömendem Regen wieder heimwärts.


17.02.07